Bockgruppenerfahrungen

Über unsere Meerschweinchen Haltung

Seit dem Jahr 2005 dürfen wir sehr viel von unseren Meerschweinchen lernen. Das Sozialverhalten ist unheimlich spannend und vielseitig und man lernt auch nach 10 Jahren immer noch viel neues. Hier werden wir unsere wichtigsten persönlichen Erfahrungen zusammenfassen.

Gruppenzusammensetzung
Wir hatten in den letzten Jahren von Duos bis Quintetts alles dabei. Der Start mit 2 gleichaltrigen Brüdern war damals leider üblich und ist heute nicht mehr empfehlenswert (auch wenn viele Züchter, Zooläden und Vermehrer immer noch in dieser Konstellation vermitteln).
Nach unseren Erfahrungen funktionieren Gruppen am Besten, wenn man verschiedene Altersstufen hält. Somit ist die Gefahr nicht gegeben, dass zwei Jungs gleichzeitig in die Rappelphase kommen. Außerdem können die Neuzugänge prima von den älteren Schweinchen lernen. Auch als wir den Altbock vergesellschaftet haben, hat er sehr viel von den deutlich jüngeren Schweinchen gelernt und einen Platz in der Gruppe erhalten. Wenn man also mit Paarhaltung starten möchte sollte man immer ein etwas älteres Tier mit einem jüngeren vergesellschaften. Wobei man nun nicht gerade einen Senior mit einem Baby zusammen halten sollte, da sich der Jüngere schnell langweilen würde und der ältere schnell genervt wäre.
Wenn man allerdings eine Gruppe hat, klappt Senior und Baby durchaus, sofern alle gut sozialisiert sind und die Spielregeln des Zusammenlebens kennen.
Wenn ihr zufällig in der Nähe von Hamburg wohnt, können wir euch die Meerschweinchen Nothilfe Hamburg sehr empfehlen. Gabriele Busch hat uns schon das ein oder andere Mal sehr helfen können. Sie hat fast ausschließlich männliche Nottiere, welche sie zur Sozialisierung in verschiedene Bockgruppen vergesellschaftet. Wenn man bei Gabi ein Meerschweinchen adoptiert kann man sich sicher sein, dass er bockgruppenerfahren ist.

Kastration
Auch hier gibt es viele unterschiedliche Meinungen. Unsere aktuelle Gruppe besteht ausschließlich aus Frühkastraten. Wir haben uns dafür entschieden, weil wir lieber auf Nummer sicher gehen wollen. Sollte es wider Erwarten Schwierigkeiten in der Gruppe geben, könnten sie direkt zu Mädels.
Wir haben allerdings im Dezember 2014 auch einen 6-7 Jahre alten Bock ohne Schwierigkeiten mit 3 erwachsenen Schweinchen vergesellschaftet.
Ob eine Kastration etwas am Verhalten ändert, können wir persönlich nicht beurteilen. Alle Böcke waren in Ihren Gruppen sehr friedlich; die Frühkastraten ebenfalls. Die einzige sehr schlimme und länger andauernde Rangstreitigkeit gab es zwischen Toni und Jumanji; beide sind Frühkastraten. Wir denken, dass es eher vom Charakter abhängt, als von der Kastration.

Das Gehege
Man sollte nie unter 2 qm bauen. Wir hatten zwar Fälle, bei denen Duos mit weniger Platz zurecht gekommen sind, aber es ist einfach nicht artgerecht und die Tiere können sich nicht richtig austoben. Jeder, der einmal Meerschweinchen in einem größeren Gehege beobachten durfte, wird da zustimmen.
Ob man sich bei Gruppenhaltung mit mehr als 2 Schweinchen nun an die Regel „1 qm pro Bock“ hält oder nicht, sei jedem selbst überlassen. Wir hatten ein wundervolles Trio, welches auf 2,25 qm sehr gut zurecht gekommen ist. Aktuell leben hier 5 Jungs auf 4 qm. Wir würden platztechnisch auch noch einen 6 dazusetzen, das wäre allerdings unsere persönliche Grenze. Es kommt nicht auf 0,25 qm mehr oder weniger an, da spielen viele Faktoren eine Rolle.
Ebenso sind unserer Meinung nach 4 qm nicht gleich 4 qm. Wenn wir unser Gehege (4,5 m x 0,9m) mit einem 2m x 2m Gehege vergleichen, haben die Jungs in einem längeren Bau einfach viel mehr Ausweichmöglichkeiten. Wenn sie sich wirklich einmal nicht sehen wollen, können sie sich 4,5 Meter von einander entfernen; während sie in einem quadratischen Bau max. 2 Meter von einander entfernt sein können. Allerdings haben wir mit einer Tiefe von 60 cm oder weniger keine guten Erfahrungen gemacht. Wirklich entspannt wird es erst ab 80 cm; 1 Meter Tiefe fanden sie auch sehr gut.
Auch die Gruppengröße ist ein entscheidender Faktor. Je Größer die Gruppe ist, desto mehr Platz können sie gemeinsam nutzen. Ob man auf 6 qm nun 6 oder 10 Jungs hält wird kaum einen Unterschied machen. Es macht allerdings einen Unterschied, ob man auf 3 qm 3 oder 5 Jungs hält.

Die Einrichtung
Sehr wichtig ist insbesondere bei einer Bockgruppe die Einrichtung des Geheges. Alle Einrichtungsgegenstände sollten mindestens 2 Eingänge haben, damit keine Engpässe entstehen. Hier könnt Ihr sehen, was unsere Jungs in Ihrem Gehege haben.
Wir haben festgestellt, dass es unseren Schweinchen besser gefällt wenn der Rand frei bleibt. Wir stellen also immer alles in die Mitte. An den Rand kommen allerhöchstens Gegenstände, durch welche man durchflitzen kann (Kuschelrollen, Röhren etc.). Somit können sie im Idealfall bei uns fast 11 Meter im Kreis laufen ohne an ein Hindernis zu stoßen. Des Weiteren sollte man im Gehege viele attraktive Schlaf- und Fressplätze anbieten. Je nachdem wie wir die Möbel stellen kommen wir auf etwa 20 gute Möglichkeiten sich auszuruhen oder zu fressen. Das wären also bei uns 4 pro Schweinchen. Somit kommt es eigentlich nie vor, dass sich 2 Meerschweinchen um einen Platz streiten.
Das einzige, was wir regelmäßig beobachten ist „das Anstellen“. Wenn beispielsweise eine Kuschelrolle gerade belegt ist, legt sich das Meeschweinchen, welches dort gerne schlafen würde, einfach daneben und wartet. Sobald der „Besetzer“ aufsteht, flitzt das anstellende Schweinchen sofort in die Kuschelrolle.

Fazit
Bockgruppen (bzw. Kastratengruppen) können wunderbar funktionieren, wenn man einige Dinge berücksichtigt. Wobei unserer Meinung nach die oben genannten Dinge auch für gemischte Gruppen gelten. Auch in einer Haremsgruppe sollte es genügend Platz geben, eine gute Einrichtung und eine gemischte Altersstruktur. Natürlich kann es in Bockgruppen zu Rangstreitigkeiten kommen, aber die gibt es auch in Haremsgruppen. Wir hoffen, dass in den nächsten Jahren immer mehr Jungs ein tolles zu Hause in einer Gruppe bekommen werden. Also traut euch, die Böcke (bzw. Kastraten) werden euch dankbar sein.